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Ein Tag, der die Welt veränderte

Von Julian Achleitner - 07. November 2014

Vor 85 Jahren sorgte der berüchtigte „Black Thursday“ für eine nie dagewesene Wirtschaftskrise. Die Folgen waren hohe Arbeitslosigkeit und die Tendenz zur Suche nach Sündenböcken. Der 24. Oktober 1929 ist ein historisches Datum – ein Grund für einen Rückblick.

Elf Jahre waren seit dem Ende des Ersten Weltkrieges vergangen. Wirklich zur Ruhe gekommen ist die Welt zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Allerdings schien es bergauf zu gehen. Dies änderte sich schlagartig, als im Herbst des Jahres 1929 der folgenreichste Wirtschaftszusammenbruch der Geschichte für die sogenannte „Great Depression“ sorgte. Nachdem der Index des Dow-Jones über mehrere Wochen starke Einbrüche verzeichnet hatte, griff unter den Anlegern die schiere Angst um sich. Der  Dow-Jones hatte  über Jahre hinweg einen stetigen Anstieg verzeichnet und die Vorstellung vom ewigen Wohlstand ausgelöst, so dass neben den Riesen der Finanzbranche auch viele Kleinanleger und Firmen große Risiken eingingen, um ein Stück vom Kuchen abzubeißen. Fünf Tage vor dem Crash hatte der Index insgesamt rund 15 Prozentpunkte verloren – der Anfang vom Ende.

Keine Börsenaufsicht

Ein großes Problem zu dieser Zeit war die Tatsache, dass es noch keine Börsenaufsicht gab, die gerade den semiliquiden Anlegern das risikoreiche Investment verbieten konnte. Stattdessen nahmen selbst „kleine“ Geschäftsleute horrende Krediten für den Aktienkauf auf – ein Vorgehen, das in diesen Dimensionen heute nicht mehr möglich wäre. Als diese Anleger aufgrund der Stagnation des Dow-Jones zu der Erkenntnis kamen, dass sie die bestehenden Auflagen nicht mehr würden erfüllen können, machte sich die Angst vor der Insolvenz breit. Als dann der Bankrott des britischen Spekulanten Clarence Hatry feststand, brach das System durch nicht mehr kontrollierbare Verkäufe buchstäblich wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Nur wenige Stunden nach dieser Nachricht war die Summe der an der Börse verzeichneten Unternehmen um knapp elf Millionen Dollar gefallen.

Banken um Schadensbegrenzung bemüht

Die Situation war eine nie dagewesene – auch für die Geldhäuser. Diese versuchten nach allen Regeln der Kunst den Markt zu stützen, was aus heutiger Sicht wahrscheinlich noch katastrophalere Szenarien verhinderte. Trotzdem kam es am darauf folgenden Dienstag zum totalen Zusammenbruch des Marktes, da die Kredite aufgrund des enormen Kursfalls nicht mehr zu decken waren. Anleger mussten wegen des Drucks der Banken ihre Aktien verkaufen, so dass die Preise in den Keller fielen und somit auch der Dow-Jones weiter Punkte einzubüßen hatte. Selbstmorde waren keine Seltenheit als Folge dieses Wirtschaftskrimis. Nachdem der vermeintliche Tiefpunkt erreicht war, kauften einige mutige Anleger die billigen Aktien erneut, allerdings wurde der Tiefpunkt de facto erst im Sommer 1932 erreicht – drei Jahre nach dem Crash. Unternehmen gingen pleite, eine nie dagewesene Arbeitslosigkeit griff um sich.

Europa folgt dem Unheil

Was in Übersee geschah, hatte wenig später auch in der „Alten Welt“ seine Auswirkungen, so dass nun der Begriff „Weltwirtschaftskrise“ geboren war. Deutschland hatte neben den Einbrüchen an der Börse noch mit einer ganz anderen Schwierigkeit zu kämpfen: Die im Versailler Vertrag verzeichneten Reparationszahlungen waren für die junge Republik eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Die Folge der harten Sparpolitik  des Zentrumspolitikers Heinrich Brünings war eine Deflation. Das deutsche Volk stand wieder vor einer großen Depression, nachdem man in den frühen 20er Jahren bereits eine horrende Inflation zu überwinden hatte. Radikale und extremistische Parteien gewannen bei den arbeitslosen und finanziell gebeutelten Menschen Gehör. Im Januar 1933 wurde Adolf Hitler durch Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Der Rest ist traurige Geschichte.

Vertrauen bis in die 70er erschüttert

Kaum ein Kleinanleger traute sich, in Aktien sein hart verdientes Geld zu investieren. Zu sehr war das Vertrauen erschüttert und die Angst vor einem erneuten Crash präsent. Das Verlangen nach einer Börsenaufsicht war groß. Kreditaufnahmen zum Kauf von Aktien wurden unter Restriktion gestellt. Erst in den 70er Jahren hatte sich wieder Normalität eingestellt. So hat uns die Weltwirtschaftskrise dazu verholfen, die Folgen von Zusammenbrüchen der Börse in Grenzen zu halten. Ein Haus muss zuerst in sich einstürzen, damit der Mensch die richtigen Streben im darauf folgenden Projekt zu verbauen weiß.

S. 6: manley099 über istockphoto.de

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