Basel gegen alle?

Die Bankbranche sieht sich vom Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) in ein zu enges Vorschriftenkorsett eingesperrt. Letzteres fĂŒhlt sich mit der Rolle des Schwarzen Peter ebenfalls ungerecht bewertet und zunehmend in die Enge getrieben. Zu recht?


Steht der Baseler Ausschuss zu recht am Pranger der Banken? Trotz aller Kritik streben die Aufseher das geplante Modell Basel IV fĂŒr das Ende des Jahres 2016 an. Bildnachweis: iStock.com/George Clerk

Wenn man mit dem RĂŒcken zur Wand steht, sucht man am besten sein Heil in der Offensive. Diese Linie fahren mittlerweile viele Banken, wenn sie auf die regulatorischen Anforderungen angesprochen werden, die der Baseler Ausschuss fĂŒr Bankenaufsicht (BCBS) im Rahmen der KrisenprĂ€vention an GeldhĂ€user stellt. Zu hoch seien die Belastungen, zu kurz die Zeit, um neue AnsĂ€tze in der Risikomodellierung adĂ€quat zu implementieren.

Basel IV fĂŒr Ende 2016

Der BCBS findet dagegen die angesetzte Eigenkapitalanforderung als angemessen. So strebt man Basel IV weiterhin fĂŒr das Ende des Jahres 2016 an, da die Aufseher immer noch große Zweifel an den Risikomodellen hegen, auf welche Banken gegenwĂ€rtig vertrauen. Als Ergebnis werden Institute noch strengeren Regeln unterworfen und mĂŒssen eine höhere  Liquidity Coverage Ratio (LCR) aufweisen – angelehnt an ein 30-tĂ€giges Stressszenario.
Eigentlich klingt die Forderung des Ausschusses simpel und umsetzbar: „Seht zu, dass stets genĂŒgend LiquiditĂ€t in Form von Eigenkapital vorhanden ist, und alles ist gut.“ Problematisch ist in diesem Zusammenhang die akute Niedrigzinsphase. Diese fĂŒhrt effektiv zu deutlichen Ertragsminderungen, wenn Banken versuchen, ihr Eigenkapital aufzustocken. Man merkt schon: Beide Seiten haben es nicht leicht. Umso verstĂ€ndlicher ist es, dass beide Parteien nach einem fairen Umgang miteinander streben. Theoretisch ist man sowohl im Ausschuss als auch in den Banken auf dasselbe Ziel aus: Man möchte eine systembedrohende Krise möglichst verhindern. Im Idealfall soll es fĂŒr Kreditinstitute aber nicht zu sehr das TagesgeschĂ€ft beeinflussen. Kritiker bemĂ€ngeln diese Haltung. Sind Banken also PharisĂ€er? Ist ihr Verhalten ambivalent? Schließlich sah man den schwer engagierten Oskar-PreistrĂ€ger und UmweltschĂŒtzer Leonardo DiCaprio auch nicht den Sunset Boulevard in einer CO2-Schleuder herunterjagen.

Teambuilding unstrittig

Generell ist das Verhalten der verantwortlichen Banker durchaus verstĂ€ndlich, da sie im Endeffekt nach ihrer Bilanz bewertet werden. Dies fĂŒhrt dazu, dass sich die grĂ¶ĂŸten Konkurrenten plötzlich ĂŒber den gemeinsamen Feind einig sind. Das Teambuilding scheint unstrittig. Alle gegen einen. Oder deutlicher gesagt: Basel gegen alle.