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Risk

„Gute Kundenbeziehung ist nicht mehr ausreichend“

Wie lege ich Geld mit dem geringsten Zeitaufwand an? Dies ist eine Frage, die sich jüngere Kundengenerationen oftmals stellen. Bedarf es vielleicht neuer Produkte im Anlagegeschäft? Im Gespräch erläutert Alexander Bommes von der Deloitte GmbH seine Sicht und erklärt das Phänomen Robo Advisor.

Von Christian Grosshardt - 20. Dezember 2017

Alexander Bommes ist Partner im Bereich Financial Risk Solutions bei der Deloitte GmbH. Sein Fokus liegt auf regulatorischen Fragestellungen.

BANKINGNEWS: Auf unserem Fachkongress RISK-MANAGEMENTforBANKS skizzierte Manuel Wittke aus Ihrem Hause mit Robo Advisory den „disruptiven Trend im Asset-Management“. Können Banken nicht mehr für das klassische Anlagegeschäft begeistern – sofern sie nicht über einen Robo Advisor verfügen?

Alexander Bommes: Banken stehen heute einer neuen Generation von Kunden gegenüber, was völlig andere Erwartungen und Ansprüche an das Anlagegeschäft mit sich bringt. Getrieben wird dieser Generationswandel dadurch, dass sich die Verteilung des Vermögens immer mehr von den älteren Generationen, welche man als Baby Boomer oder Generation X bezeichnet, zu den jüngeren technologieaffinen Generationen verschiebt. Diese ist geprägt durch Unternehmen wie Amazon, Apple, Google oder Facebook. Die vollständige Vernetzung und der Zugang zu digitalen Inhalten haben für diese Generation einen besonders hohen Stellenwert. Bedingt durch das vorherrschende höhere Ausbildungsniveau und den Wunsch nach absoluter Kontrolle, nimmt jedoch zeitgleich das Vertrauen in das klassische Beratungsangebot ab. Stattdessen nutzt die neue Generation eine Vielzahl unterschiedlicher Quellen zur Beschaffung von Informationen. Für Banken bedeutet diese Veränderung, dass langfristig eine gute Kundenbeziehung alleine nicht mehr ausreichend sein wird. Um gegenüber innovativen und technologieaffinen Fintechs konkurrenzfähig zu bleiben, wird es unabdingbar sein, dass sich die Vertriebswege und Produkte der Banken langfristig ebenfalls ändern müssen.

Berufsbild des Risikomanagers wird sich verändern

Sind Algorithmen die besseren Risikomanager?

Die Verwendung von Algorithmen zur vollständigen Automatisierung des Asset-Managements bildet eine Brücke zwischen einem innovativen sowie hochwertigen Serviceangebot und niedrigen Managementgebühren. Die Reduzierung der Kosten, von den üblichen zwei bis drei Prozent im Jahr beim klassischen Asset-Management, auf nur 0,02 bis ein Prozent im Jahr ist eines der stärksten Argumente für den vermehrten Einsatz von Algorithmen. Weitere Faktoren sind die erhöhte Transparenz der ausgeführten Handlungen, einfache Vergleichbarkeit, ständige Verfügbarkeit und eine von Emotionen unabhängige Investment-Taxonomie. In all diesen Punkten sind Algorithmen klassischen Risikomanagern überlegen, was jedoch nicht heißen soll, dass Algorithmen langfristig diese ersetzen werden. Vielmehr wird sich auch das Berufsbild des Risikomanagers dahingehend verändern, dass sie derartige Systeme mit Leben füllen und gezielt zur eigenen Effizienzsteigerung im Asset-Management einsetzen werden. Robo Advisory bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Stärken beider Seiten zu kombinieren und somit einen echten Mehrwert für die Kunden zu schaffen.

Sollte jede Bank mit einem automatisierten Fondsmanager kollaborieren oder derartige Modelle eher im eigenen Haus entwickeln?

White-Label-Solutions umfassen in der Regel nur ein Standardangebot an Methoden und Funktionalitäten. Diese können nur bedingt den hohen Erwartungen der neuen höchst anspruchsvollen Kundengeneration gerecht werden. Grundsätzlich stellt sich die Frage, welche Lösung überhaupt zum eigenen Unternehmen und den Kunden passt. Dafür gibt es keine pauschale Antwort. Durch eine wechselseitige Kooperation mit einem automatisierten Fondsmanager könnte durchaus eine höhere Individualisierung erreicht werden, jedoch steigt zeitgleich das Risiko des ungewollten Wissenstransfers. Know-how im Asset-Management, das über Jahre im eigenen Unternehmen entwickelt wurde, stellt ein kostbares Gut dar, welches dadurch gefährdet werden könnte. Die Entwicklung im eigenen Haus bietet dagegen unendlich viele Möglichkeiten, sich unabhängig, individuell und innovativ im Markt zu positionieren, aber zeitgleich die vollständige Kontrolle über erarbeitete Wissensvorsprünge zu behalten. Letztendlich ist es auch eine Kostenfrage, wie viel Unternehmen bereit sind, in Innovationen zu investieren.

Deloitte betreibt ein eigenes Innovation-Lab namens Greenhouse, in welchem Sie auch Geldhäusern bei der Entwicklung neuer Ideen helfen. Wie machen Sie das genau?

Wir zeigen seit einigen Jahren mit dem Greenhouse, dass Ideen für die Kunden und die Gesamt-Industrie FSI kreativ und zukunftsgerichtet entwickelt werden müssen. In Form von Design-Thinking-Workshops werden konkrete Ideen generiert, mit unserer speziellen Vorgehensweise über verschiedene Szenarien weiterentwickelt und am Ende bis zur Marktreife gebracht. Im modernen Greenhouse-Umfeld werden sowohl Kreativität wie strukturierte und erprobte Methoden in Gruppen von sechs bis acht Personen angewendet. Ein Deloitte-Facilitator steuert die entsprechende Erfahrung in den Gruppen bei, die fachbereichsübergreifend die Ideen verifizieren.

Und wie verhindern Sie dann, dass regulatorische Hürden den Launch einer neuen Idee oder eines Modells unmöglich machen?

Deloitte hat im regulatorischen Bereich umfangreiche Expertise. Je nach Themenschwerpunkt wird daher immer ein Regulatorik-Experte die Design-Workshops begleiten und die Ideen auf Einhaltung der regulatorischen Vorgaben prüfen. So kann schon frühzeitig eine Indikation erfolgen, ob das neue Produkt und die neue Geschäftsidee umsetzbar sind.

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