Jetzt Mitglied werden
Interview

„Das ist eben das Hase und Igel Spiel“

Für die „Autowäsche“ muss man heute nicht mehr in die Waschstraße fahren, weiß Thomas Damm von der Volkswagen Bank. Er und sein Team gehen gegen Betrüger vor, die sich mit fingierten Dokumenten und anderen Tricks Leasing- oder Finanzierungsverträge für Fahrzeuge erschleichen wollen. Beim diesjährigen CRIF DACH Expertenforum „Innovations In Credit & Fraud“ hatten wir Gelegenheit zum Gespräch.

Von Tobias Schenkel - 03. Juli 2018

"Wir schaffen es, acht von zehn Geschäften rechtzeitig als Betrugsfall zu erkennen und gar nicht erst ins Portfolio zu nehmen." Thomas Damm im Gespräch mit BANKINGNEWS.

BANKINGNEWS: Herr Damm, was muss ich tun, um bei Ihnen ein Auto zu ergaunern? Gibt es gängige Betrugsmuster?

Thomas Damm: Im Grunde müssen wir zwei große Betrugsszenarien unterscheiden: solche, die von natürlichen Personen, und solche, die von Organisationen oder Firmen ausgehen. In beiden Fällen geht man aber letztendlich ins Autohaus und interessiert sich für ein Fahrzeug, was in der Regel finanziert oder geleast werden soll, damit kein Kapital zur Verfügung gestellt werden muss. Dann werden Identifikations- oder Bonitätsunterlagen gefälscht, manipuliert oder neu erstellt.

Wie funktioniert das?

Das kann ich Ihnen natürlich nicht verraten! (lacht) Ein prägnantes Beispiel ist der Verdienstnachweis. Da nimmt dann der arbeitslose Bruder den Verdienstnachweis seiner Schwester, die sich irgendwo in einem abhängig beschäftigten Verhältnis befindet und frisiert diesen auf seine persönlichen Daten um. Damit versucht er dann eine gewisse Bonität nachzuweisen. Ich kann sowas aber auch im Internet ganz einfach selbst erstellen. Bei Pässen ist es ein bisschen schwieriger. Um einen Originalpass zu manipulieren, bedarf es schon tiefergehender Kenntnis und auch Technik.

Wie gehen Sie nach einer Verdachtsmeldung vor?

In der Regel schauen wir uns erst einmal an, ob sich diese als Betrugsfall bestätigt und suchen dann beispielsweise nach Geschäften ähnlicher Art im Händlerportfolio. Wir fragen die ankaufende Abteilung, ob irgendwelche Erkenntnisse vorliegen, ob z.B. der einreichende Verkäufer in irgendeiner Form bereits auffällig war. Ab drei oder vier Fällen gehen wir von einer Serie aus, weil dann ein gleichartiges Betrugsmuster zu bestehen scheint. Nicht jeder Einzelfall führt gleich zu einem Serienbetrugsfall.

Welche Möglichkeiten nutzen Sie zur Betrugsbekämpfung?

Neben automatisierten Regeln setzen wir auf Sensibilisierung. Sowohl die Mitarbeiter in der Bank als auch die Verkäufer im Autohaus müssen aufgeklärt werden, was möglich ist und was auf dem Markt passiert, um in der Lage zu sein, entsprechend zu reagieren. Nur wenn sie wissen, was zum Beispiel an einem Pass gefälscht werden kann, oder was üblicherweise gefälscht wird, können sie das auch erkennen. Das sind manchmal ganz banale Dinge. Beispielsweise wird in der Unterschrift der Vorname ausgeschrieben, der Nachname aber abgekürzt. Neben anderen Schulungsbausteinen werden alle Verkäufer bei uns darüber hinaus gerade mit einer Schwarzlichtlampe ausgestattet, mit der es möglich ist, Wertpapier, also echte Ausweise, von Industriepapier, also gefälschten Ausweisen, zu unterscheiden. Eine andere Möglichkeit, Betrugsprävention innerhalb einer Automobilbank zu verbessern, ist es, auch Pool-Lösungen wie das DSP Portal zu nutzen, welchem wir uns im Juni 2016 angebunden haben.

Greifen Sie in manchen Fällen auch persönlich ein?

Wir fahren auch raus, aber das nur zu Ermittlungszwecken, wenn ein Betrugsfall passiert ist. So können wir uns vor Ort ein Bild machen, den betreffenden Verkäufer vernehmen, mit dem Geschäftsführer sprechen. Präventiv passiert das nur in Ausnahmen. Mein Team und ich sind eine second line of defence, angesiedelt im Compliance-Bereich unserer Bank, die sich ausschließlich mit der Abwehr strafbarer Handlungen von außen beschäftigt.

Wie gut hält diese second line of defence im Zweifelsfall?

Wir schaffen es, acht von zehn Geschäften rechtzeitig als Betrugsfall zu erkennen und gar nicht erst ins Portfolio zu nehmen. Natürlich bleibt eine Dunkelquote, denn manche Fälschungen sind einfach zu gut, um erkannt zu werden. Aber von allen gemessenen Fällen, werden letztendlich 80 Prozent abgewehrt. Vielleicht kann man sich noch um ein oder zwei Stellen nach dem Komma verbessern, alles darüber hinaus ist aber Wunschdenken. Das ist eben das Hase und Igel Spiel.

Thomas Damm

Volkswagen Bank GmbH

Thomas Damm ist Leiter der Abteilung Betrugsprophylaxe bei der Volkswagen Bank GmbH in Braunschweig.

Lesen Sie auch

Auf der Suche nach einer Best Practice in der Betrugsprävention

Ausnahmsweise liefern die scheinbar allwissenden Suchmaschinen wenig Hilfreiches,[…]

Dirk Mayer

Und alles nur, weil ich dich liebe

Unter dem Namen „Romance Scam“ hat sich in[…]

Dorothee Wirsching

FRAUDMANAGEMENTforBANKS 2018

Vorbericht zu unserem zweitätigen Fachkongress

Dalia El Gowhary

„Der beste Service ist der, den man nicht sieht“

Am 13.06.2018 kamen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der[…]

Tobias Schenkel

Im Kampf gegen die „Cyber Nostra“

Dass Cyberkriminelle immer erfolgreicher und effizienter werden, lässt[…]

Daniel Fernandez

Sicherheitslücke Drucker: ein unterschätztes Risiko

Entwicklungen wie die digitale Transformation, die steigende Anzahl[…]

Michaela Harder

Alte Systeme, blinde Flecken: Risiken in der Digitalisierung

Die klassische Prüfung im Konsumentengeschäft ist Schnee von[…]

Dirk Mayer

Fraudmanagement und PSD2

Ein dominierendes Thema der vergangenen Monate war die[…]

Philipp Scherber

Der goldene Mittelweg im Spannungsfeld der Regularien

Eine der größten Herausforderungen und gleichzeitig wichtigsten Aufgaben[…]

Elfriede Jirges

Einsatz moderner Technologien in der Betrugsbekämpfung

Oft stellt sich die Frage, ob moderne Technologien[…]

Eric Wagner

Totale Offenheit verhindert Betrug

Digitalisierung macht eine Vielzahl von Regulierungen notwendig, um[…]

Jürgen P. Müller

„Bei Mietverträgen bestehen Schlupflöcher, um an ein teures Auto zu gelangen“

Das Bundeskriminalamt (BKA) bezeichnet die Kfz-Branche als Risikobereich[…]

Philipp Scherber

„Es hat höchste Priorität, die Daten unserer Kunden zu schützen“

Digitale Banking-Lösungen sind ein Spagat zwischen positivem Kundenerlebnis[…]

Tobias Schenkel

FIU – neue Einbahnstraße für Verpflichtete?

Die Zentralstelle für Verdachtsmeldungen hat sich im Sommer[…]

Mehmet Aydogdu

BaFin sorgt für Klarheit auf dem Video-Identifikationsmarkt

Seit rund einem Vierteljahr gelten nun neue Vorgaben[…]

Sebastian Bärhold

Know Your Customer: Wie Blockchain das Verfahren erleichtert

Sich nur einmal bei einer Bank als Person[…]

Mustafa Cavus

FRAUDMANAGEMENTforBANKS 2017

„Die Zeit der regelbasierten Systeme ist vorbei“, stellte[…]

Christian Grosshardt

Sicherheit im Zahlungsverkehr – Anforderungen nach MaSI und § 25h KWG

Der Kunde sollte im Zahlungsverkehr und beim Internetbanking[…]

Rainer Hahn

Eine Revolution auf dem Markt für Identitätsprüfungen

In Zeiten der rasanten Digitalisierung können Banken und[…]

Uwe Stelzig

„APT10 greift vor allem Managed Service Provider an“

Seit etwa einem Jahr kam es vermehrt zu[…]

Philipp Scherber

Das Onlinebanking-Konto kann mehr als Zahlungen: Mit Smart Data Fraud-Risiken minimieren

Die Betrugsrisiken nehmen im Bankenumfeld weiter zu: Zahlreiche[…]

Martin Schmid

Der alte Mann und die Malware

Der Rückgang von Filialen sowie Gebühren für Überweisungen[…]

Daniel Fernandez

UK Bribery Act 2.0 – Erfahrungen im Umgang mit Geschäftspartnern

Seit Inkrafttreten des UK Bribery Act im Juli[…]

Johanna Duenser

Die Verschärfung des Korruptionsstrafrechts und die Auswirkungen auf Kreditinstitute

Die Verhinderung von Korruption war abseits der Schwerpunktthemen[…]

Fabian Malkoc

Der Regierungsentwurf zur Umsetzung der 4. Geldwäsche-Richtlinie der EU

Am 22. Februar 2017 legte die Bundesregierung ihren[…]

Indranil Ganguli

„Betrugsrisiken sind durch Online-Legitimation gesunken“

Auch in einer Zeit, in der immer stärker[…]

Philipp Scherber

Cybercrime-Bedrohungen im Jahr 2017

Im vergangenen Jahr wurde Cybersicherheit im Rahmen zahlreicher[…]

Michael Hagebölling

Gemeinsam gegen Betrugsversuche

Ob manipulierte Unterlagen wie Gehaltsabrechnungen bei Kreditanträgen oder[…]

Stephan R. Peters

Fraud: der menschliche Faktor

Mit betrügerischen Handlungen beschäftigt man sich im geschäftlichen[…]

Michael Leuthner

Digitalisierung = Illegalisierung?

Eine Firewall zu überwinden, stellt heute für Geübte[…]

Christian Grosshardt

Kosten- und Risikoreduzierung durch qualitativ hochwertige Kundendaten

Entity Resolution, also die Systematisierung, Verlinkung und Gruppierung[…]

Philipp Scherber

„Beim Thema Geld will ich Sicherheit!“

Sowohl in der Filiale als auch im Außendienst[…]

Christian Grosshardt

„Tendenz zu Identitätsdelikten ist erkennbar“

Als Unteraspekt der Compliance wurde nicht nur von[…]

Christian Grosshardt

Wettrüsten in der Betrugsbekämpfung

Es dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben: Eine Investition[…]

Thorsten Hahn

Insidergeschäfte aufgeflogen

Pressemitteilungen sind Millionen Wert, sofern man sie zu[…]

Julian Achleitner

Regulatorische Herausforderungen für Factoringinstitute

Einheitliche Implementierung der Compliance- und Geldwäschepräventionsfunktion unter Berücksichtigung[…]

Dr. Ramin Romus

Ein Jahr Hinweisgebersystem in der TARGOBANK

Seit mehr als einem Jahr steht den Mitarbeitern[…]

Ingo Kriedel

400 Kunden in die Wüste geschickt

Wer nicht hören will, muss fühlen. Wie SPIEGEL[…]

Christian Grosshardt

Steuerparadies macht die Schotten dicht

Menschen, die es mit den Steuerpflichten nicht so[…]

Christian Grosshardt

Hohe Strafe für die Commerzbank

Was sind Sanktionen, wenn man sie nicht durchsetzt?[…]

Christian Grosshardt

Lügen haben kurze Beine

Dass sich in der Welt der Reichen der[…]

Christian Grosshardt

Keine Macht den Betrügern!

Wohl durchdachte Vorträge, kritische Nachfragen und angeregte Diskussionen[…]

Christian Grosshardt

Erwischt! Ein Weg zur Betrugsprävention im Retailgeschäft

Autoren: Dirk Mayer, Carsten Helm Euro 79,00 286[…]

Julian Achleitner

Verdachtsmeldung nach GwG?!

Wie ernst nimmt der Gesetzgeber das Verdachtsmeldewesen? Neuer[…]

Julian Achleitner

Acht Prozent und reingefallen?

Passagiere des öffentlichen Nahverkehrs kennen die Werbung von[…]

Thorsten Hahn

Betrugserkennung mit analytischen Verfahren

Business Analytics als Basis effektiver Betrugserkennung und -vermeidung.[…]

Henrik Becker

Gier frisst Hirn

Fünf Prozent und mehr. Pro Monat! Und schon[…]

Thorsten Hahn