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Bankorganisation

Disruption trifft Tradition. Nicht.

Vom 5. Bis 6. April war Berlin Magnet für die Bank- und Finanzbranche. Und obwohl die Zeichen für Fintechs und tradierte Banken eher auf Kooperation stehen, gab es in Berlin zwei Lager.

Von Thorsten Hahn - 28. April 2017

Bundestagspräsident Norbert Lammert eröffnete mit seiner Rede den zweiten Tag des 21. Deutschen Bankentags. Bildnachweis: Bankenverband

Alle drei Jahre findet in der Hauptstadt der Bankentag des Bankenverbandes statt. Über 600 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Banken sind dem Ruf des Verbandes nach Berlin gefolgt. „In den letzten zehn Jahren ist in der Bankenwelt eigentlich kein Stein auf dem anderen geblieben“, konstatierte Hans-Walter Peters, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken. Seit der Finanzkrise wurden Vergütungsstrukturen geändert, Risikomodelle überarbeitet und das Eigenkapital gestärkt, so Peters. Ob damit wirklich kein Stein auf dem anderen geblieben ist? Noch immer fühlt es sich eher so an, als wäre fast alles beim Alten. Aber das mit den Steinen kann ja noch kommen.

So sehen es zumindest die Sprecher und Teilnehmer bei der „Gegenveranstaltung“. Ob der Termin mit Absicht gewählt ist? Vielleicht dachten sich die Initiatoren der EXECfintech, dass der ein oder andere Bankvorstand vom Bankentag mal einen Blick in die Welt der Disruption und Innovation werfen wollte. Immerhin standen dort fast 50 Fintechs auf der Bühne und warben um die Gunst von VCs und Banken. Doch ich hatte eher das Gefühl, dass man im Berlin Congress Center lieber unter sich blieb. Immerhin trifft man sich in diesem Netzwerk und dieser Zusammensetzung nur alle drei Jahre. Und so traf man auf der EXEC viele Fintechs und Investoren. Mitarbeiter von Banken waren an den zwei Tagen hingegen die kleinste Gruppe.

Der Begriff „Fintech“ hat es dennoch gleich mehrmals auf das Podium des Bankentages geschafft. Commerzbank-Chef Martin Zielke befand „Fintechs sind super“ und Roland Boekhout, Vorstandsvorsitzender der ING-DiBa, mahnte „Wir Banken müssen in Bezug auf Fintechs vorsichtig sein“, wenngleich Fintechs mehr die Lösung als das Problem seien. Ob er damit die steigende Zahl von Kooperationen zwischen Fintechs und Banken meint? Knapp unter 100 dieser Kooperationen zwischen den tradierten Banken und den Schnellbooten der Finanzszene soll es schon geben. Und vielleicht sind diese Allianzen zwischen Robo Advisors, Legitimationsdienstleistern und Bezahllösungen ja wirklich ein guter Schutzschild für die echten Gegner der tradierten Banken.

Google, Facebook und Apple ermöglichen bereits die Übertragung von Zahlungen über ihre Messenger-Dienste. Eine Domäne, die bisher nur Banken bedient haben. Diese haben das Übertragen von Geld und das Bezahlen von Rechnungen jedoch eher kompliziert gemacht – zum Beispiel über die Einführung der IBAN. Mit einem Messenger geht es schneller und einfacher. Der vierte große Player, Amazon, vergibt bereits Kredite an die Händler, die seine Plattform nutzen. Schlau, denn Amazon kennt einen Teil der wirtschaftlichen Lage dieser Händler. Dieses Angebot könnte Amazon auch auf seine Kunden erweitern und dann noch ein Amazon-Konto drauflegen. Wer braucht dann noch eine Bank?

Und dennoch ging es auf dem Bankentag eher um Regulierung, niedrige Zinsen und den Ankauf von Staatsanleihen. Jegliche Kritik gegen Regulierung versuchte Bundestagspräsident Norbert Lammert mit seiner Einstiegsrede im Keim zu ersticken: „Märkte brauchen Regeln“ und „ohne Regeln hätten wir wahrscheinlich neue Einblicke in der Chaostheorie gewonnen.“ Dass bei den Regeln aber nicht immer alles glatt läuft, gab Lammert selbstkritisch zu. Wenn die Politik die Vergabe privater Kredite beschneidet, den Ankauf von Staatsanleihen aber eben nicht, dann ist da was nicht in Ordnung. Bedenklich findet Lammert zudem den zunehmenden Vertrauensverlust in Politik und Banken, denn „Märkte basieren auf Vertrauen!“ Ein Video der Rede finden Sie auf dem Youtube-Kanal des Bankenverbands.

 

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