Jetzt Mitglied werden
Bankorganisation

Prozesskultur für Banken: Organisationen sich selbst verändern lassen

Studien belegen: Prozessmanagement erzeugt Widerstände, viele Mitarbeiter bekommen sogar regelrecht Angst, wenn es darum geht, stärker in Prozessen zu denken. Viele befürchten, dass der Mensch dabei zu kurz kommt – oder sehen den eigenen Arbeitsplatz schon durch einen Roboter ersetzt. Doch darum geht es nicht. Gute Prozesse dienen vielmehr den Mitarbeitern.

Von Florian Hutter - 29. März 2017

Mitarbeiter, die sich gegen neue Prozesse wehren, zeigen oftmals geradezu den in ihnen ruhenden Revolutionscharakter. Bildnachweis: iStock.com/RapidEye

Richtig ist: Gut gemachtes Prozessmanagement führt dazu, dass Unternehmen interne Abläufe stärker IT-seitig unterstützen, teilweise automatisieren oder sogar ganz dunkelverarbeiten. Unter den Top Ten der wichtigsten Trends im Prozessmanagement stehen über die Jahre neben einer prozessorientierten IT-Architektur jedoch eher anwendernahe Themen wie Compliance, Sicherheit oder Governance. Sie zielen also nicht darauf ab, den Menschen zu ersetzen, sondern rücken ihn und seinen Informationsbedarf stattdessen ins Zentrum des Geschehens.

Finden statt suchen

Die VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu hat dieses Prinzip übersetzt in die handlungsleitende Maxime, dass Mitarbeiter finden sollen, statt suchen zu müssen. Technisch läuft das über ein rollenbasiertes Prozessmodell. Informationsträger ist weiterhin der Prozess. Doch anders als üblich greifen die Kollegen nicht über eine zentrale Veröffentlichungsplattform auf die Inhalte zu, sondern über ein individuelles Mitarbeiter-Cockpit. Standardmäßig teilt das Organisationshandbuch jedem Mitarbeiter zudem seiner Rolle gemäß alle benötigten Informationen automatisch zu.

Mit gängigen BPM-Systemen lässt sich dieses Zielbild relativ leicht erreichen, sofern die Daten nach dem OLAP-Prinzip in der Datenbank abgespeichert sind. Dann lässt sich auf verschiedene Aspekte – oder auch: Dimensionen des OLAP-Würfels – auf die gleiche Weise zugreifen. Beispiele: Zeige mir alle einer bestimmten Rolle zugeordneten Berechtigungen. Oder: Zeige mir alle Rollen, die ein bestimmtes IT-System benutzen. Im Mitarbeiter-Cockpit lassen sich solcherart vorprogrammierte Ansichten speichern, um die täglichen Abläufe aktiv zu unterstützen.

Aufsichtsrechtskonforme Workflows

Ein Regelsystem erlaubt darüber hinaus, Abhängigkeiten abzubilden und beispielsweise einen mehrstufigen Freigabe-Workflow zu erstellen. Handelt es sich etwa um wesentliche Änderungen an der Ablauf- oder Aufbauorganisation (AT 8.2 MaRisk), kann das IT-System automatisch die Freigaben bestimmter Rolleninhaber aus den Abteilungen Compliance, Interne Revision oder Risiko-Controlling abfordern, bevor eine Anweisung im Organisationshandbuch veröffentlicht wird. Ein rollenbasiertes Prozessmodell erlaubt zudem, innerhalb des Workflows nachzuvollziehen, wer was wann geprüft und freigegeben hat – und ob die handelnde Person in ihrer Rolle dazu befugt gewesen ist.

Diese Transparenz ist unverzichtbar, da die Nachvollziehbarkeit im Workflow zu den zentralen Prüfungsgrundlagen bei jährlichen Verbands- und Sonderprüfungen der Bundesbank zählt. Bei einer Sonderprüfung nach §37a KWG (Bargeldrecycling) hat sich das rollenbasierte Prozessmodell bereits bewährt. Externe Kontrolleure können eigene Zugänge ins System erhalten und sich ein auf ihre Prüfungsinhalte abgestimmte Ansicht nutzen. Auch ohne das Organigramm im Kopf zu haben, können Prüfer so beispielsweise nachvollziehen, ob sich Durchführungsrollen und Tätigkeiten überschneiden, die sich gemäß der geforderten Funktionstrennung nicht überschneiden dürfen.

Hüter der Standards

Damit dies alles funktioniert, fällt der Organisation eine strukturgebende Aufgabe zu. Zwar macht die Abteilung keine inhaltlichen Vorgaben mehr. Doch zu nutzende Formulare und IT-Systeme sowie methodische Standards für das Prozessmanagement müssen zentral festgelegt werden. Sie bilden den Rahmen in dem die Fachbereiche eigenständig arbeiten und anweisungsrelevante Inhalte selbst erstellen. Das dem Organisationshandbuch zugrundeliegende BPM-System ermöglicht dabei, erstellte Inhalte nach bestimmten Kriterien zu filtern. Dieser automatische „Content-Check“ hilft dabei die Anweisungsqualität zu sichern. Dahinter steckt die Idee, dass Mitarbeiter in erster Linie damit beschäftigt sein sollten, Anwendungen anzuwenden, also damit arbeiten zu können, statt sich anweisungsrelevante Aussagen selbst erschließen zu müssen. Das hat sich inzwischen zu einem etablierten Prozess entwickelt mit Durchlaufzeiten von nur wenigen Minuten.

Lesen Sie auch

Von Säulen, Telefonzellen und Dinosauriern

Bis zum Jahr 2030 soll es in Deutschland[…]

Christian Grosshardt

Mit „Systemischem Projektmanagement“ sicher durch den Sturm navigieren

„Was hat der Mars mit dem Berliner Flughafen[…]

Kurt-Walter Langer

Inhouse Consulting – der kleine Unterschied

Viele Banken beschäftigen externe Unternehmensberater. In der Commerzbank[…]

Andrea Dreyer

Bänkchen, wechsel dich

Von Banken werden agile Methoden und Transformation gefordert,[…]

Thorsten Hahn

Fehler sind erlaubt – ein Scheitern nicht

Nachbericht zum Fachkongress "Zukunft der Bankorganisation" am 20.[…]

Philipp Scherber

Wie die KfW Bankengruppe die interne Kommunikation auf Dialog ausrichtet

Seit drei Jahren setzt die KfW Bankengruppe auf[…]

Christian Chua

BANK VISIT 2017 – US-Orden für Verdienste im Finanzumfeld

„For the fifth time“ – am 10. August[…]

Markus Müller

Digitale Kollaboration im Social Intranet

Die Sparda-Bank West macht sich fit für die[…]

Heike Szary-Bogdon

Die Prozesslandkarte der BayernLB

Die in der Bankbranche weit verbreitete aufbauorganisatorische Sicht[…]

Sven Trautner

Kommentieren, empfehlen, bloggen – Social Business macht’s möglich

Qualitativ hochwertiger Austausch und schlanke Prozesse sind kein[…]

Alex Bering

Geht es auch ein bisschen schlanker?

Nicht erst seit Big Analytics wissen wir, dass[…]

Barbara Laimer

Die MaRisk sind nicht alles

Vorschriften einzuhalten, ist keine Strategie!

Claudia Meier

Disruption trifft Tradition. Nicht.

Vom 5. Bis 6. April war Berlin Magnet[…]

Thorsten Hahn

„Banken wollen mehr Prozesse auslagern“

68 Prozent der deutschen Banken planen teilweise in[…]

Redaktion
Bank für Gemeinwohl

Geld mit Sinn: Die Bank für Gemeinwohl

Einen Wandel der Finanzlandschaft hin zum ethischen Banking[…]

Frederik Schorr

Banking unter sich wandelnden Wettbewerbsbedingungen

Egal, ob Privat-, Genossenschaftsbank oder Sparkasse – sowohl[…]

Jochen Ramakers

Revolution oder Evolution?

Bitcoin und Kryptowährungen sind eine Revolution des Geldwesens.[…]

Christoph Mann

Kreativität sticht Komplexität

Auf dem Weg zu Corporate Creativity.

Claudia Meier
Deutsche Bank Strategie

Über die Rückkehr zur Strategie

Im Jahr 1870 wurde die Deutsche Bank in[…]

Thorsten Hahn

„Weichen neu gestellt“ – GLS Bank zieht positive Bilanz

Wesentliche Entwicklungsschritte verzeichnete die GLS Bank für das[…]

Christian Grosshardt

Die Großprojekte kommen

Banken dürfen sich nicht verstolpern.

Claudia Meier

Erfolgreiche Digitalisierung erfordert neue Prozessmanagement-Ansätze

Meist wird das Thema Geschäftsprozessmanagement vor allem mit[…]

Thomas Allweyer

Mit Multi-Projektmanagement Risiken minimieren

In vielen Branchen ist es State-of-the-art, in anderen[…]

Norman Frischmuth

Studie: Banken wünschen sich mehr Veränderungskompetenz

Vom Schlagwort zum Programm: 62 Prozent der Fach-[…]

Ralf Heydebreck

Brexit: Großbanken wollen Mitarbeiter aus London abziehen

Die Brexit-Pläne der britischen Regierung könnten Großbanken mit[…]

Daniel Fernandez

„Investmentprozess à la nextgen“

Rund 3.100 Privatstiftungen in Österreich verfügen über ein[…]

Manfred Wieland

Digitale Verantwortung

Das digitale Universum wird die Verantwortung nicht übernehmen.[…]

Thorsten Hahn

Großprojekte: „Ohne sauberes Prozessmodell sind Sie aufgeschmissen“

Deutsche Geldhäuser blicken pessimistisch in die Zukunft: Neun[…]

Christian Grosshardt

„Bankgeschäfte machen sicher weniger Spaß als Pokémon Go“

Das Fintech N26 hat jetzt eine Banklizenz. O2[…]

Christian Grosshardt

Holacracy

Ein revolutionäres Management-System für eine volatile Welt

Anna Stötzer

Auf das Kerngeschäft besinnen

Bankorganisatoren schaffen dafür die nötige Prozesslandschaft.

Claudia Meier

Management by trial and error

Jeder fünfte Arbeitsplatz soll bei der Commerzbank wegfallen.[…]

Thorsten Hahn

Hersteller treiben Integration der Banken-Software voran

Zwei Trends bestimmen das aktuelle Marktumfeld für BPM-Software:[…]

Nick Führer

Drum prüfe, wer sich ewig bindet…

Vor Jahrhunderten konnten sich die Mächtigen noch Pyramiden[…]

Thorsten Hahn

„Wir müssen weg vom Wildwuchs der Systeme“

In den kommenden drei Jahren steigt die Bedeutung[…]

Philipp Scherber

BPM-Software richtig einsetzen

Bankorganisatoren, die Prozesse leben, brauchen nur ein gutes[…]

Claudia Meier

High Noon in Düsseldorf

Die Gewinne in die Rücklagen fließen lassen oder[…]

Thorsten Hahn

Jammern auf hohem Niveau

Oder sind die aktuellen Bank-Quartalszahlen ein alarmierendes Signal?

Thorsten Hahn

Eingriff ins IT-Räderwerk

Die MaRisk erfordert ein zentrales Auslagerungsmanagement.

Claudia Meier

IT-Outsourcing: „MaRisk stellt bewährte Rahmenverträge auf die Probe“

Kaum eine Bank stemmt IT- und Anwendungssysteme heute[…]

Philipp Scherber

Mnemotechnik für die Bankorganisation

Prozesse zu visualisieren ist wie Lernen – kinderleicht[…]

Claudia Meier

Prozessorientierte Bankorganisation: „Das schulden wir den Mitarbeitern“

Immer mehr Banken stellen das Anweisungswesen prozessorientiert um.[…]

Philipp Scherber

Information Design: Mehr Transparenz durch Prozessvisualisierung

Viele Unternehmen investieren zunehmend Zeit und Mühe darin,[…]

Gabriele Hauptmann

Martin Zielke

Die Commerzbank ist in den letzten Monaten immer[…]

Philipp Scherber

Problemfusion

Zunächst sah es so aus, als verlaufe die[…]

Thorsten Hahn

Milliarden zufällig entdeckt

Gibt es eine Korrelation zwischen Gehaltshöhe und Bilanzlegasthenie?

Thorsten Hahn

Prozesse als unternehmerisches Kulturgut

Prozessverständnis und Führungskompetenz liegen eng beieinander.

Claudia Meier

Prozessmanagement: „Unternehmen brauchen die richtige Kultur“

Der Name comdirect steht für Innovation. Das Unternehmen[…]

Philipp Scherber

Handbuch Bankvertrieb – Theorie und Praxis im Zukunftsdialog

Hrsg.: Detlef Hellenkamp und Kai Fürderer Euro: 39,99[…]

Anna Stötzer