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Südostasien profitiert vom Handelskonflikt zwischen USA und China

Handelskriege haben Lieferketten gestört und die Wertentwicklung der Aktien in den Schwellenmärkten belastet. Da Unternehmen ihre Produktion von China weg verlagern, um Zölle zu umgehen, erkennen einige Nachbarländer darin ihre Chance.

Von Alistair Way - 24. Juli 2019
Marktkommentar_ Alistair_Way

Bildquellen: iStock.com/stockdevil; iStock.com/alla_snesar

Spannungen in den Handelsbeziehungen zwischen den USA und China mögen für die Volkswirtschaften in Südostasien, die in den letzten Jahrzehnten von ver­besserten globalen Handelsströmen profitiert haben, eine schlechte Nachricht sein. Höhere Zölle haben die Lieferketten beeinträchtigt und die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit Chinas, des wichtigsten Handelspartners vieler Länder der Region, gefährdet.

Aber der Handelskonflikt hat auch einige Vorteile mit sich gebracht. Als die Zölle von Donald Trump die chinesischen Exporte in die USA trafen, haben Unternehmen der Maschi­nenbau-, Textil- und Technologiebranche damit begonnen, Pläne zur Verlagerung der Produktion aus China in die Nach­barländer umzusetzen, um nicht ins Kreuzfeuer zu geraten. Der vietnamesische Premierminister Nguyen Xuan Phuc etwa schloss sich der indonesischen Regierung an und forderte seine Nation auf, die Gelegenheit zu ergreifen, mehr auf ausländische Investitionen zu setzen.

Die Volkswirtschaften Südostasiens verzeichneten im vergan­genen Jahr eine durchwachsene Wirtschaftsentwicklung, die von den Handelsstreitigkeiten und dem Zinsanhebungszyklus der US-Notenbank geprägt war. Laut Daten der Asiatischen Entwicklungsbank betrug das gewichtete durchschnittliche BIP-Wachstum 2018 in den fünf großen Volkswirtschaften der Region – Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur und Thailand – 4,8 Prozent und lag damit unter dem Wert von 5,1 Prozent im Jahr 2017.

Höhere US-Zinsen und ein steigender US-Dollar führen tendenziell zu Investitionsabflüssen aus den Schwellenmärkten. Diese Entwicklung könnte die von ausländischen Investitionen abhän­gigen Volkswirtschaften in Bedräng­nis bringen. Die Auswirkungen dieser Faktoren waren 2018 jedoch weniger stark ausgeprägt als während des sogenannten Taper Tantrum im Jahr 2013, da die Volkswirtschaften der Region heute insgesamt wider­standsfähiger sind als vor sechs Jahren. In jüngster Zeit vollzog die US-Notenbank jedoch einen Wechsel hin zu einer gemäßig­teren Geldpolitik und China beschloss, seine Wirtschaft ent­schlossener anzukurbeln. Beides führt zu einer erheblichen Entlastung für Asien und die breiteren Schwellenmärkte.

„Handelskriege bleiben nach wie vor eine Bedrohung“

Handelskriege bleiben zwar nach wie vor eine Bedrohung, doch die südostasiatischen Volkswirtschaften könnten dennoch davon profitieren, wenn es ihnen gelingt, den kurzfristigen Schaden zu überstehen. Große ausländische Elektronikunter­nehmen beschleunigen ihre Pläne zur Verlagerung ihrer Pro­duktionsstätten aus China, um Zölle zu vermeiden. Thailand, Indonesien, Malaysia und Vietnam sind hierbei die Favoriten. Obwohl viele dieser Länder Waren nach China exportieren, haben sie noch viel Spielraum, um ihre Exporte in die USA zu erhöhen.

Laut der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) war Südostasien im letzten Jahr weltweit der größte Wachstumsmotor in Bezug auf aus­ländische Direktinvestitionen. Die Zuflüsse stiegen um 11 Pro­zent auf ein Rekordniveau von 145 Milliarden US-Dollar und lagen damit höher als in Europa und China. Laut einer kürzlich durchge­führten Umfrage überlegten mehr als 70 Prozent der in Südchina tätigen US-Unternehmen, Investitionen zu verschieben oder ihre Produktion in andere Länder zu verlagern, wobei Südostasien das wahrscheinlichste Ziel ist.

Japanische Unternehmen, die in China Produktionsstätten aufgebaut hatten, um indirekt in den Westen zu exportieren, sind be­reits auf dem Sprung. So begründete Panasonic im Oktober 2018 seine Entscheidung, die Produktion von Autoradios von China nach Thailand, Malaysia und Mexiko zu verlagern, mit der Angst, Trumps Drohung mit zusätzlichen Zöllen auf chinesische Importe könnte die jährlichen Gewinne um 10 Milliarden Yen (89 Millionen US-Dollar) verringern. Andere Unternehmen wie Yokowo, Sumitomo und Daikin Industries haben ebenfalls damit begonnen, einige Produktionsstätten nach Südostasien zu verlagern.

„Bei ausländischen Anlegern wird Vietnam zunehmend beliebter“

Bei ausländischen Anlegern und Unternehmen wird etwa Vietnam zunehmend beliebter. 2018 flossen ausländische Direktinvestitionen in Höhe von 19 Milliarden Dollar in das Land – ein Rekord. Vietnam hat viele Qualitäten, die von produzie­renden Unternehmen geschätzt wer­den: politische Stabilität, Nähe zu den wichtigsten Lieferketten, stabile Infrastruktur und Arbeitskräfte, die dank der gezielten In­vestitionen der Regierung in Bildung und Ausbildung für die Hightech-Produktion adäquat geschult sind.

Bereits lange vor den Handelsspannungen zwischen den USA und China hatten Unternehmen wie Foxconn, Intel und Samsung damit begonnen, ihre Produktionsbasis von China nach Vietnam zu verlagern. Die Furcht vor einem eskalieren­den Handelskrieg hat den Prozess weiter beschleunigt, wobei die Zuflüsse im Bereich der Produktion in den ersten drei Quartalen des Jahres 2018 um 18 Prozent gestiegen sind. Die Begeisterung von Samsung für den vietnamesischen Markt führte dazu, dass das Unternehmen heute der größte auslän­dische Arbeitgeber des Landes ist.

Vietnams erfolgreiche Strategie, zunehmend Produktions­betriebe anzulocken, könnte jedoch Probleme mit sich bringen. Wenn immer mehr Unternehmen nach Vietnam abwandern und von dort aus in die USA exportieren, könnte sich Trumps protektionistischer Zorn auf Hanoi richten. Vietnam hat einen Handelsüberschuss von 40 Milliarden Dollar mit den USA und wurde 2016 von Zöllen belastet, als chinesische Firmen Stahlexporte durch das Land umleiteten, um Ab­gaben für chinesische Unternehmen zu entgehen. Vietnams Premiermi­nister Phuc ist sich dieser Gefahr bewusst und betont, dass seine Regierung im Handelsstreit keine Partei ergreifen wird.

Diejenigen, die auf den Anstieg der ausländischen Direktinvestitio­nen in Südostasien setzen, sollten sich darüber im Klaren sein, dass nicht alle Unternehmen in der Lage sein werden, ihre Produktion ohne erhebliche Kosten zu verlagern. Dies gilt besonders für solche, die in komplexe regionale Lieferketten eingebunden sind: The Economist schätzt die Gesamtkosten für Lieferanten von Apple bei der Verlagerung der iPhone-Pro­duktion aus China auf bis zu 90 Milliarden US-Dollar. Hin­gegen haben Unternehmen, die ihre Produktion flexibel ver­lagern können, einen Vorteil – sie vermeiden nicht nur hohe Zölle auf Exporte, sondern profitieren auch von niedrigeren Arbeitskosten. Größere Unternehmen, die flexibel genug sind, um schnell Produktionsstätten über Grenzen hinweg zu ver­lagern, dürften ebenso gut positioniert sein wie Anbieter für Fertigungslösungen: New Kinpo aus Thailand etwa mit Pro­duktionsnetzwerken in ganz Südostasien.

Inländische Hersteller in Vietnam, Malaysia und Thailand dürften neue Aufträge gewinnen. Zwischen ihnen könnte ein größeres Gefälle bei der Performance entstehen, je nachdem wie flexibel sie die neue Lage im Welthandel für sich nutzen können. Zwar kann es noch einige Zeit dauern, bis Unterneh­men ihre Aktivitäten nach Südostasien verlagern, und bis die Gastländer die wirtschaftlichen Vorteile höherer Investitionen spüren – aber diese Entwicklung wird mittelfristig eintreten.

Alistair Way

Aviva Investors

Alistair Way ist Leiter im Bereich Schwellenmarktaktien bei Aviva Investors, einem weltweitagierenden Asset Manager.

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